• Reno

UNVERHOFFT ISOLIERT

Aktualisiert: Mai 19

Die Welt steht still und muss sich doch weiterdrehen.

Wahrscheinlich kommt auch unser Gesundheitssystem an seine Grenzen; deshalb muss die Ausbreitung des Corona-Virus so stark wie möglich eingedämmt werden.

Um physische Kontakte zu vermeiden, bleiben wir zu Hause!

Für viele Arbeitnehmer*innen und Selbständige bedeutet das, ins Homeoffice umzuziehen.

Die digitalen Pioniere von t3n stellen hierfür einen kostenlosen Guide mit hilfreichen Tipps zum Download zur Verfügung.

Ich befinde mich bereits seit über einer Woche in Quarantäne. Weil meine Katze eine schwere OP hatte und ich Tag und Nacht auf sie aufpasse.


In Deutschland nutzen nur ca. 10% die Möglichkeit zum Homeoffice, bis 40% wären aber generell möglich.


In diesem Beitrag wollen wir nicht missionieren, wir versuchen Vor- und Nachteile aufzuzeigen und schildern, wie es uns mit dem aktuellen Umstand geht.


Plötzlich war alles anders!


Aber eigentlich auch nicht. Ich hatte schon immer die Möglichkeit, Konzeptionen und Strategien am heimischen Schreibtisch zu durchdenken. Ich will ehrlich sein. Es ist nicht immer einfach, konzentriert zu arbeiten. Der Abwasch wartet, die Wäsche könnte angesetzt werden, Kaffee kochen, doch Joggen gehen, mal schauen, ob man bei Instagram schon geherzt ist und was bei Twitter so los ist. Doch ist man einmal im Flow, dann hat man auch die entsprechende Ruhe zum arbeiten.

So die Theorie. Solltet ihr Kinder haben oder eure Partner auch zu Hause sein, funktioniert das nicht ganz so einfach. Stellt Regeln auf oder macht einen Zettel an die Tür. Tür zu könnte heissen, bitte auf keinen Fall stören. Oftmals genügt es aber auch zu überlegen, ob die Störung wirklich notwendig ist oder ob man damit nicht warten kann. Ein freundlicher Hinweis an der Tür, bewirkt Wunder!




Soziale Kontakte sind lebenswichtig!

Corona zwingt uns, physischen Abstand zu halten. Das könnte Leben retten. Die sozialen Kontakte dürfen jedoch nicht darunter leiden. Ohne soziale Kontakte gehen wir ein. Verabredet euch also mit der Familie am Küchentisch und mit den Kolleg*innen zum Kaffee bei Skype. Ein morgendliches „stand up“ könnte hilfreich sein. Teilt euch untereinander kurz mit, wer an welchen Projekten arbeitet. So könnt ihr gegebenenfalls auch die Aufgaben der anderen mitdenken und mit ihnen zur Ideenfindung in Kontakt treten. Macht transparent, wie ihr über den Tag erreichbar seid. Verabredet euch auch eine mögliche Kommunikation im Notfall (z.B. das Telefon mehrfach hintereinander klingeln lassen).

Seit meinem Jobwechsel zu Working Evolutions habe ich gefühlt mehr Zeit. Das fühlt sich ungewöhnlich an und anfangs hatte ich ein schlechtes Gewissen. Es ist hilfreich und war doch irgendwie komisch, sich die Zeit frei einteilen zu können und wo und wann es für mich passend war zu arbeiten. Aber ich wusste, das Team vertraut mir und auch mir war wichtig, die neuen Kolleg*innen nicht zu enttäuschen.


Anfangs haben wir Basecamp als PM-Tool verwendet, um uns zu organisieren. Das war ein guter Einstieg. Das Tool ist übersichtlich und für kleine Organisationen wie wir es sind gut geeignet. Durch das Arbeiten mit Projekt-Management-Tools spart man viel Zeit. Da wir an unterschiedlichen Orten leben, sehen wir uns alle nur ein bis zwei Mal im Monat zu einem Teamtag. Den Rest klären wir durch Telefonieren, Skypen oder dem digitalen Verteilen von Aufgaben. Das klingt sicher irgendwie romantisch, ist aber ein riesen Schritt. Meine gewohnte Arbeitsweise wandelt sich. Persönliche Gespräche waren mir unheimlich wichtig und für mich deutlich hilfreicher als E-Mail oder Telefonat. Daher versuche ich auch jetzt noch, die persönlichen Kontakte aufrecht zu halten, diese Zeit aber so intensiv wie möglich zu nutzen.

Dennoch war ein Haltungswechsel notwendig!

Ich habe schnell gelernt, meine und die Zeit der anderen nicht unnötig mit uneffizienten Meetings zu verschwenden. Organisatorische Dinge lassen sich mit PM-Tools wie Podio, Basecamp oder Trello wunderbar und einfach klären, ohne sich zusammenzusetzen und Entscheidungen gemeinschaftlich herbeiführen zu wollen; wohl wissend, dass diese oftmals schon in kurzer Zeit wieder überdacht werden müssen.

Auch habe ich schnell gelernt, den anderen zu vertrauen und schaue mit Begeisterung zu, wie sich jede/r selbst organisiert und eigenverantwortlich einbringt. Des Rätsels Lösung ist ganz einfach. Wir haben ein Rollenmodell entwickelt, mit denen sich der oder die einzelne identifiziert oder worin er oder sie eine Herausforderung sieht.

Rollen dürfen nicht mit einer Arbeitsplatzbeschreibung verwechselt werden, denn die Rollen sind nicht fix. Man übernimmt automatisch die Verantwortung. Rollen sind auch nicht mit Aufgaben zu verwechseln. Hinter jeder Rolle verbergen sich in der Regel zahlreiche Aufgaben, die alle koordiniert werden müssen. Aber für die Rolle behältst du den Überblick, musst nach Beratung der betreffenden Personen selbst entscheiden und die Verantwortung tragen. Wer dazu mehr wissen will, kann sich gern bei uns melden.

Inzwischen sind wir bei Podio gelandet. Das schien uns bislang zu komplex. Nach einem Workshop mit Christian Thomas vom Second Attempt e.V. in Görlitz sind wir jedoch von der Struktur und den Möglichkeiten begeistert. Sogar unser Rollenverständnis lässt sich hier prima abbilden.


Der Verein koordiniert schon seit vielen Jahren ihre zahlreichen ehrenamtlichen und projektbezogenen Mitarbeiter*innen mit diesem PM-Tool. Ich würde denken, sie haben in der Oberlausitz die meiste Erfahrung damit.

Zahlreiche Tools (Slack, Zoom, Meistertask ...) würden sich fortführend aufzählen lassen. Vielleicht gehen wir später noch auf ein paar andere ein oder teilen hier die Erfahrung anderer „new worker“ mit euch.

Zusammenfassend vielleicht noch folgende Gedanken, die mich dieser Tage beschäftigen:

  • die Arbeitsumstellung, auch wenn sie momentan ad hoc ist, ist ein langer Prozess

  • es wird sicher auch nicht nur eine temporäre Veränderung sein

  • verändern wird und muss sich vor allem unsere Haltung und der Blick auf die Arbeitswelt

  • es wird unwiderruflich die Frage aufkommen, wie wir in Zukunft (zusammen) arbeiten wollen (Wer darf/muss etwas wissen?, Wer entscheidet?, Wie entscheiden wir?, Was wollen wir anders machen?)

  • Kommunikation ist wichtig, aber vielleicht nicht mehr mit allen in physischer Anwesenheit, sondern sehr sensibel, respektvoll, ehrlich und transparent

  • Hierarchien werden sich auflösen und sich somit das Verständnis von Führung verändern

  • Führungskräfte werden dennoch weiterhin „vorweg gehen“ müssen, denn sie müssen die Veränderung vorleben und authentisch sein

  • sie müssen ihre Mitarbeitenden befähigen, ihren Job gut zu machen und ihnen die Möglichkeit bieten, selbstorganisiert und eigenverantwortlich zu denken und zu handeln

  • es ist die Chance loszulassen und nicht mehr alles kontrollieren zu müssen

  • so werden Kapazitäten für Vernetzung, Forschung und Entwicklung und Anerkennung für die Leistung des Teams frei

  • um sich nicht zu verlieren braucht es jemanden, der auf Regeln (oder besser das Meaning) achtet und die Prozesse reflektiert

Bislang konnte ich Podcasts nichts abgewinnen. Im Kontext meines neuen Jobs bin ich jedoch auf ein paar sehr spannende Unterhaltungen gestoßen.

Die Gedanken von Frithjof Bergmann zur Idee des „new work“ fesselten mich und ebenso trat die Gründungsstory der grünen Suchmaschine „Ecosia“ zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben. Für diesen Beitrag lauschte ich aufmerksam dem t3n-Podcast mit der Psychologin Nicole Wronski von der Agentur Blackboat. Wer Zeit hat, hört mal rein. Wahrscheinlich wird sich auch bei euch einiges ändern. Gebt uns gern ein Feedback.