• Anne

So viel Änderung ist Veränderung dann doch nicht

Die Coronakrise (hier könnte auch die Klimakatastrophe oder deine ganz persönliche Krise stehen) hat uns in eine Situation gebracht, die uns nicht das erste Mal in der Geschichte passiert und passieren wird: alles wird anders. Schnell anders. Wir setzen uns die Rakete Richtung Zukunft, schnallen uns an, nehmen immer mehr Geschwindigkeit auf, werden in den Sitz gepresst, können uns nicht mehr rühren, die Bilder um uns verschwimmen, wir verlieren den Überblick .... Stopp.



Das ist eine Prognose, die man oft hört und die immer noch ein gutes Verkaufsargument für Versicherungen aller Art ist: "Die Welt wird immer schneller, immer komplexer, immer vernetzter, immer diverser, immer kontroverser, ohne Aussicht auf das, was kommt, und wenn es kommt, dann meistens anders." Aber das ist nur ein Teil der Veränderung.

Schauen wir uns als Working Evolutions GmbH Anfang 2020 an, hätte die Zukunft nicht unvorhersehbarer und der Veränderungsprozess nicht dynamischer sein können: ein junges StartUp, mitten auf dem Land, die Zukunft ungewiss, ein Virus im Rücken. Fast hätten wir in der Rakete Platz genommen und einen guten Fensterplatz ergattert. Aber dann haben wir gemerkt: es ist plötzlich 2021, ein Jahr später, und Überraschung - wir sind alle noch da. Die Welt dreht sich immer noch schnell, aber nicht schneller. Unser Büro ist noch da, die Menschen, die Straßen, die Schafe, die Natur und ungefähr 99% von all den Dingen, die wir um uns haben und hatten. Natürlich befinden sie sich ständig im Veränderungsprozess, aber dieser Prozess besteht nicht nur aus neu und anders, sondern auch aus vertraut. Wenn wir uns vor jeder großen Krise oder Veränderung das anschauen würden, was bleibt, wäre das sehr heilsam und würde uns den Rücken Richtung Zukunft deutlich stärken.


Zum Glück hat sich Werner Tiki Küstenmacher, ein Autor und Pfarrer, eine sehr schlaue Methode ausgedacht, Veränderung zu clustern. Nämlich in das, was bleibt, das was sich ändert, in das, was wegfällt und in das, was dazukommt. Somit haben wir das perfekte Rezept, eine Veränderung aus der Perspektive des Handelnden oder zumindest Beobachtenden zu erfahren, ohne den Wandel aus dem Cockpitfenster der Zukunftsrakete betrachten zu müssen.

Wir können den Prozess der Veränderung sogar mitgestalten oder ihn zumindest nachvollziehen. Wir sind getröstet, weil wir zwar einen Teil loslassen müssen aber das Neue beim Entstehen beobachten und in eine Konstellation des Bekannten aufnehmen dürfen. Jeder Mensch hat dabei sein eigenes Rezept, ob mehr bleiben oder mehr wegfallen nötig ist oder ob es von allem eine Prise oder eine weltweite Bewegung sein darf.



Würden Organisationen im Angesicht des digitalen Changemanagment oder kultureller Innovationen ihren Mitarbeitenden zunächst das aufzeigen, was bleibt im Vergleich zu dem, was sich ändert, so würden Veränderungsprozesse sicher angstfreier und mit weniger Ablehnung verlaufen. Auch ein Vergleich zwischen bleiben und ändern bzw. loslassen gibt die Möglichkeit, mit mehr Bodenhaftung in eine ungewisse Zukunft zu steuern (die, so gut wir sie auch clustern, vorerst immer ungewiss bleibt).


Es ist sehr beruhigend, dass wir, obwohl alles und jeder ständig im Wandel ist, genügend Fixpunkte haben, die uns bleiben und Stetigkeit vermitteln. Vielleicht sollten wir öfter aus dem Fenster schauen und daran denken, dass sich die Erde gerade mit 1.670 Kilometern pro Stunde dreht.


#change #godigital #hoffice #newwork


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